Donnerstag, 16.07.2026

Mülheim ehrt Chemikerin Serena DeBeer und Theaterkollektiv Subbotnik mit Ruhrpreis 2026

Empfohlen

redaktion
redaktionhttp://gedenk-dus.de
Stadtmagazin mit historischem Herz

Der Ausschuss für Kultur, Brauchtum, Tourismus und Stadtgeschichte der Stadt Mülheim an der Ruhr hat in einer nichtöffentlichen Sitzung am 3. Juli 2026 beschlossen, den Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft 2026 gleich zweifach zu verleihen. Die Auszeichnung geht an die Chemikerin Prof. Dr. Serena DeBeer und an das Theaterkollektiv Subbotnik. Jede der beiden Anerkennungen ist mit 3.000 Euro dotiert. Sponsor des Preises ist die Sparkasse Mülheim an der Ruhr.

Entscheidung und Formalia

Die Jury fasste den Beschluss nach eigener Darstellung einstimmig. Die Vergabe erfolgte für zwei gleichwertige Hauptpreise, die jeweils mit einem Geldbetrag von 3.000 Euro verbunden sind. Die Auszeichnungen würdigen Leistungen aus den Bereichen Wissenschaft und darstellender Kunst.

Auszeichnung für Serena DeBeer

Die Jury begründete die Nominierung von Prof. Dr. Serena DeBeer mit ihrer internationalen Sichtbarkeit und mit Forschungsergebnissen, die grundsätzliche Prozesse in Enzymen aufklären. DeBeer hat nach Angaben der Jury unter anderem Methoden weiterentwickelt, mit denen sich Reaktionsabläufe in Enzymen analysieren lassen. Ein Forschungsschwerpunkt liegt auf Enzymen, die für Energieumwandlungsprozesse wichtig sind. Dabei untersucht sie insbesondere Vorgänge, mit denen Pflanzen Stickstoff aus der Luft aufnehmen und für den Organismus verfügbar machen. Die Jury weist darauf hin, dass dieser biologische Prozess unter normalen Temperaturen und Atmosphärendruck abläuft, während technische Verfahren oft sehr hohe Drücke und Temperaturen erfordern.

Zu den weiteren Arbeiten zählt laut Jury die Erforschung eines Enzyms, das Methan zu Methanol umwandelt. Die Identifizierung zentraler Bestandteile dieser Enzyme könne Hinweise liefern, wie solche Reaktionen künftig auch unter milderen technischen Bedingungen realisiert werden könnten. DeBeer leitet seit vielen Jahren Forschungsgruppen und wirkt seit mehr als 15 Jahren am Standort Mülheim, zuletzt als Direktorin am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion. Die Jury betont, dass ihre Forschungsarbeit zur internationalen Wahrnehmung des Forschungsstandorts Mülheim beiträgt.

Auszeichnung für das Theaterkollektiv Subbotnik

Das Theaterkollektiv Subbotnik wurde 2012 gegründet. Zu den Gründern gehören Kornelius Heidebrecht, Martin Kloepfer, der bis 2022 Mitglied war, und Oleg Zhukov. Der Name verweist auf die historische Bezeichnung für freiwillige Samstagsarbeit in der ehemaligen Sowjetunion und in der DDR und soll zugleich auf die oft prekären Produktionsbedingungen der freien Szene anspielen. Zugleich versteht die Jury Subbotnik als Beispiel für die gemeinsame, oft unbezahlte Leistung von Darstellenden und Publikum, durch die Aufführungen zu kollektiven Ereignissen werden.

Subbotnik arbeitet an der Schnittstelle von performativem Erzählen, Konzert und Live Hörspiel sowie Musiktheater. Charakteristisch sind nach Ansicht der Juroren poetische, musikalische und bildstarke Arbeiten, in denen Partizipation kein ergänzendes Vermittlungsangebot ist, sondern ein zentrales künstlerisches Prinzip. Menschen unterschiedlicher Herkunft, Erfahrung und Generationen werden in diesen Arbeiten zu Mitwirkenden und Mitgestaltenden.

Die Jury hob zudem die enge Verbindung von Subbotnik mit dem Theater an der Ruhr und der Stadt Mülheim an der Ruhr hervor. Einige Mitglieder des Kollektivs waren bereits Ende der 1990er Jahre als Schüler im Jungen Theater an der Ruhr aktiv. Zuletzt wurde die Produktion 1001 Nacht oder die Macht des Erzählens mit dem Westwind Preis 2026 ausgezeichnet. Die Jury sieht im Ruhrpreis eine weitere Anerkennung der künstlerischen Arbeit von Subbotnik.

Zusammensetzung der Jury

Die Jury setzte sich aus externen Fachleuten sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und dem Sponsor zusammen. Zu den externen Mitgliedern gehören Rainer Komers, Bereich Film, Dr. Jörg Schmitz, Bereich Geisteswissenschaften, Eberhard Ross, Bereich Bildende Kunst, Peter Eisold, Bereich Musik, Dr. Corinna Schlicht, Bereich Literatur, sowie Sven Schlötcke, Bereich Theater und Prof. Dr. Ferdi Schüth, Bereich Naturwissenschaften. Aus Politik und Verwaltung waren Markus Püll als Mitglied des Ausschusses für Kultur, Brauchtum, Tourismus und Stadtgeschichte sowie Dr. Daniela Grobe als Kulturdezernentin beteiligt. Den Sponsor vertrat Martin Weck von der Sparkasse Mülheim an der Ruhr.

Mit der Vergabe des Ruhrpreises 2026 würdigt Mülheim sowohl wissenschaftliche Forschung mit internationaler Ausstrahlung als auch künstlerische Praxis, die auf Beteiligung und gesellschaftlichen Austausch setzt.

Quelle anzeigen

Weiterlesen

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Aktuelles