Vor 120 Jahren wurde in Düsseldorf erstmals ein Gartendirektor ernannt. Seit der Bestellung von Walter Baron von Engelhardt im April 1906 hat sich die städtische Institution zu einem heute umfangreichen Garten, Friedhofs und Forstamt entwickelt. Das Amt betreut heute Hunderte Mitarbeitende und tausende Hektar Grünflächen bei gleichzeitiger Ausrichtung auf Klimaanpassung und Artenschutz.
Von der Hofgartenverwaltung zur städtischen Institution
Mit der Ernennung von Walter Baron von Engelhardt begann 1906 der Aufbau des städtischen Gartenamtes. Engelhardt, Gartenbauingenieur und Lehrer für Gartenkunst an der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule, legte mit Projekten wie dem Rheinpark, dem KÖ Gärtchen und Anlagen zum Ausstellungshof die Grundlage vieler heute noch genutzter Plätze.
Die finanzielle und personelle Lage wechselte im Lauf der 1920er und 1930er Jahre. In der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre wurde der Etat gekürzt, die Zahl der Beschäftigten sank. 1933 wurden Garten und Friedhof zusammengeführt. Unter der Leitung von Willi Tapp entstanden unter anderem der Nordpark und zahlreiche soziale Grünanlagen in Siedlungsgebieten, daneben wurden Kleingärten ausgebaut, um die Nahrungsmittelversorgung in Kriegszeiten zu stärken.
Zerstörung, Wiederaufbau und neue Angebote
Die unmittelbaren Folgen des Zweiten Weltkriegs hinterließen große Zerstörungen. 1945 lagen viele Anlagen in Trümmern und von 30 000 Straßenbäumen waren 20 000 vernichtet. Der Wiederaufbau wurde in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zur zentralen Aufgabe. Unter Johann Heinrich Küchler und seinem Nachfolger Ulrich Wolf verlegte das Amt seinen Sitz in den Nordpark und setzte auf Neubepflanzungen, Schulaußenanlagen und die Entwicklung von Wasserspielplätzen, die in den 1950er Jahren bundesweit Beachtung fanden.
Die städtebauliche Orientierung der Nachkriegszeit mit großen Verkehrsprojekten führte zugleich zu einem Anstieg technisch zu betreuender Flächen und zu Rationalisierungsmaßnahmen im Betrieb. In den 1970er Jahren entstand der erste gesamtstädtische Grünordnungsplan. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Angebot um größere Freizeitparks ergänzt, unter anderem entstand in Vorbereitung auf die Bundesgartenschau 1987 der Südpark.
Neuere Herausforderungen und das Stadtgrün nach dem Sturm Ela
Der Verlust durch den Orkan Ela am 9. Juni 2014 zeigte die Verwundbarkeit des Baumbestands. Innerhalb von etwa 90 Minuten fielen mehr als 30 000 Bäume, weitere 24 000 wurden stark beschädigt oder mussten intensiv gepflegt werden. Die Wiederaufbauarbeiten haben die Maßnahmen zur Bestandssicherung und die planerische Arbeit des Amtes deutlich verstärkt. Ein digitales Baumkataster und eine so genannte Zukunftsbaumliste dienen seither als Grundlage für Neupflanzungen und Bestandsentwicklungen.
Parallel dazu rückten Klimaanpassung und Artenschutz in den Fokus. Der Rat beschloss 2015 den gesamtstädtischen Grünordnungsplan mit dem Schwerpunkt rheinverbunden. Im Juli 2025 hat die Stadt das Biodiversitätskonzept 2030 beschlossen, das die Naturschutzarbeit und die Vernetzung von Freiräumen weiter vorantreiben soll.
Aufgaben, Umfang und Personal
Das Garten Friedhofs und Forstamt betreut heute die Pflege und Werterhaltung von insgesamt rund 3 500 Hektar städtischer Flächen. Dazu gehören etwa 1 100 Hektar Grünflächen innerhalb der Stadt, 2 190 Hektar Kommunalwald sowie 263 Hektar Friedhofsfläche mit rund 220 000 Grabstätten. Der Gesamtbaumbestand, für den das Amt verantwortlich ist, liegt bei etwa 250 000 Exemplaren, davon rund 61 000 Straßenbäume.
Rund 650 Beschäftigte aus etwa 30 Berufsgruppen arbeiten in sechs Abteilungen. Das Amt unterhält 347 Kinderspielplätze, 70 Bolzplätze, drei Skateranlagen und drei Freizeitanlagen, betreibt die städtische Gärtnerei und Baumschule und gibt jährlich gut 800 Bäume zur Pflanzung aus. Weiterhin ist das Amt zuständig für 430 Hektar Kleingartenland mit etwa 6 600 Parzellen sowie für die Waldschule im Wildpark Grafenberg und die Pflege stadteigener Naturschutzflächen.
Die Aufgaben reichen von der Prüfung von Freiraumfragen in Bauleitverfahren über die Planung von Spielplätzen und Schulaußenanlagen bis zur Aufstellung von Parkpflegewerken und der Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen. Seit den 1990er Jahren haben Haushaltskonsolidierungen und Personalabbau die Handlungsfähigkeit beeinflusst. Zugleich wuchs das Aufgabenfeld im Bereich Umwelt und Biodiversität.
Der Rückblick auf 120 Jahre weist auf einen stetigen Wandel der Prioritäten hin. Während die Kernaufgabe, urbanes Grün als Ressource für Erholung und Lebensqualität zu sichern, unverändert geblieben ist, prägen heute Fragen des Arten- und Klimaschutzes die Planung und Pflege der städtischen Freiräume.
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