Bis 14. Januar 2018
"ohne Obdach. ohne Schutz."

Drei Ausstellungen zum Thema Obdachlosigkeit

Obdachlose, Bettler und andere soziale Außenseiter wurden aus der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ gnadenlos ausgegrenzt: Die Rassenlehre des Nationalsozialismus erklärte sie zur Gefahr für den deutschen „Volkskörper“, zu „Asozialen“, die überflüssig seien. Behörden, Polizei und Gerichte, Wohlfahrtsverbände und Gesundheitsämter machten sich daran, Menschen ohne festen Wohnsitz, Alkoholiker und Suchtkranke, Gelegenheitsprostituierte, Kleinkriminelle und verarmte Wanderarbeiter zu erfassen, sie „kriminalbiologisch“ zu untersuchen, sie zu sterilisieren oder in die Konzentrationslager zu verschleppen.

Die von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. erstellte Wanderausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ im Forum der Gedenkstätte erklärt Voraussetzungen, Grundlagen und Stationen der nationalsozialistischen Verfolgung.

Unsere eigene Schau „Ohne Obdach. Ohne Schutz. Soziale Außenseiter im nationalsozialistischen Düsseldorf“ im Julo-Levin-Raum beleuchtet das Thema aus Düsseldorfer Sicht. Wie wurden Menschen, denen man die Mitgliedschaft in der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ absprach, in Düsseldorf verfolgt? Was geschah mit ihnen? Die Ausstellung skizziert auch Biografien von Düsseldorferinnen und Düsseldorfern, die Opfer der Verfolgung wurden, wie Klara Kerz, die als Wohnungslose wegen Kleindiebstahls aus zerbombten Gebäuden hingerichtet wurde.

Ohne Geschichte und Gegenwart miteinander zu vermischen, lenkt der Schweizer Fotograf Leo Gesess in seiner Installation „Mittendrin und doch nicht dabei“ im historischen Luftschutzkeller den Blick auf Obdachlose und ihre Hunde im heutigen Stadtbild. Wie viel Beobachtung, wie viel Beachtung wird ihnen zuteil? In der multimedialen Ausstellung werden die Besucher selbst zum Teil des Düsseldorfer Stadtbildes. (Hinweis: Der historische Luftschutzkeller ist nicht barrierefrei zugänglich.)

Wir danken der Landeszentrale für politische Bildung NRW und allen Kooperationspartner für die freundliche Unterstützung unserer Ausstellungen: Altstadt Gemeinschaft e.V. - Amt für soziale Sicherung und Integration der Landeshauptstadt Düsseldorf - AWO Kreisverband Düsseldorf e.V. - Bahnhofsmission Düsseldorf - BürgerStiftung Düsseldorf - Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. - Caritas-Verband - Der Paritätische Gesamtverband - DGB Region Düsseldorf/Bergisch Land - Diakonie Düsseldorf - Dominikanerkonvent St. Joseph - DRK Kreisverband Düsseldorf e.V. – fiftyfifty - grenzenlos e.V. - Heimatverein Düsseldorfer Jonges e.V. - House of Adwordtising - Katholischer Gemeindeverband - Kirchenkreis Düsseldorf - Ordensgemeinschaft der Armen-Brüder des heiligen Franziskus Sozialwerke e.V.

Zu den Ausstellungen finden zahlreiche Begleitveranstaltungen statt. Alle Informationen finden Sie in einem Flyer, den Sie hier einsehen und/oder herunterladen können.

Der Eintritt ist frei.
Ort: Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 29
Öffnungszeiten: Di-Fr und So 11-17 Uhr, Sa 13-17 Uhr, Mo geschlossen

Sonntag, 26. November 2017
Offene Führung durch die Dauerausstellung

Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus

Blick in die Ausstellung "Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus".

"Ich hatte keine Angst. Ich habe nur gedacht: Du darfst keinen verraten - [...]". So die Erinnerung von Wolfgang Kannengießer an seine zweitägige Gestapohaft als Teenager.

Was verbirgt sich hinter "Kleinkrieg am Rochusplatz" oder „Razzia von Gerresheim“? Was bedeutete es „unangepasst“ zu sein, das Privatleben unter ständiger Beobachtung zu wissen? Mehr zu dem Schicksal von Wolfgang Kannengießer und anderen Jugendlichen aus Düsseldorf, erfahren Sie in unserer kostenfreien Führung durch die Dauerausstellung "Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus".

Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.
Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 29
Beginn: 15 Uhr

Dienstag, 28. November 2017
Immer noch den "Friedrich"?

Lehrerfortbildung

Dr. Ulrike Schrader.

Seit den 1960er Jahren erlebt das Jugendbuch „Damals war es Friedrich“ von Hans Peter Richter eine ungebrochene Popularität als Lektüre in den 6. und 7. Klassen. Viele Jugendliche kamen so zum ersten Mal mit dem Thema Nationalsozialismus in Kontakt. Dabei haben ausgewiesene Literaturwissenschaftler das Buch schon in den 1980er Jahren scharf kritisiert und unter anderem auf die Reproduktion antisemitischer Vorurteile und apologetischer Muster hingewiesen.

Der Nachmittag widmet sich einer fragenden und prüfenden Analyse dieses Schulbuchklassikers. Wie werden Juden und die jüdische Religion dargestellt? Welches Bild der deutschen Mehrheitsbevölkerung wird hier gezeichnet? Gemeinsam werden Maßstäbe an die literarische und inhaltliche Qualität einer Lektüre zum Nationalsozialismus im Unterricht erarbeitet. Die Referentin Dr. Ulrike Schrader stellt zudem Lektüre-Alternativen vor und lädt zum Austausch ein.

Dr. Ulrike Schrader, seit 1994 Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge in Wuppertal, ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Kinder- und Jugendliteratur zu den Themen Nationalsozialismus und Judentum.

Die Fortbildung richtet sich an interessierten Lehrkräfte der Fächer Geschichte, Deutsch, Religion, Ethik, Philosophie oder Gesellschaftslehre.

Eine Veranstaltung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf in Kooperation mit dem Evangelischen und Katholischen Schulreferat.

Um eine Anmeldung wird gebeten bis zum 27. November 2017 unter Telefon (0211) 89 96205 oder per E-Mail an nicole.merten@duesseldorf.de.

Die Teilnahme ist kostenlos.
Ort: Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 29
Zeit: 15.30 Uhr bis 18 Uhr

Mittwoch, 29. November 2017
Die Arbeitsanstalt Brauweiler in der Zeit des Nationalsozialismus

Vortrag von Hermann Daners

Historische Ansicht der Arbeitsanstalt Brauweiler.

Bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts bestand die größte deutsche Arbeitsanstalt in Brauweiler. Hier sollten gesellschaftliche Randgruppen durch „Erziehung zur Arbeitsamkeit“ diszipliniert werden. Bettler, Landstreicher, Prostituierte, entmündigte Alkoholiker, sogenannte Fürsorgezöglinge und Personen aus der Armutsklientel der Gesellschaft bildeten die heterogene Belegung der Anstalt.

In der NS-Zeit gerieten die Insassen in den Fokus der zeitgenössischen Rassenpolitik mit der Zielsetzung, eine „Endlösung der sozialen Frage“ herbeizuführen. Militarisierung, Verschärfung von Disziplinarmaßnahmen, Erhöhung von Arbeitsnormen, aber auch Zwangssterilisationen, Überweisungen in Konzentrationslager und Instrumentalisierung der Insassinnen und Insassen für die Kriegswirtschaft gehörten dazu.

Der Referent Hermann Daners hat ausführlich zur Geschichte der Arbeitsanstalt Brauweiler geforscht. In seinem Vortrag wird er die Geschichte der Arbeitsanstalt darstellen und insbesondere die Verfolgung sozialer Randgruppen während des Nationalsozialismus in den Blick nehmen.

Der Eintritt ist frei.
Ort: Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 29
Zeit:
19 Uhr

Dienstag, 5. Dezember 2017
Das ‚Dritte Reich’ im Kriminalroman der Gegenwart

Vortrag von Dr. Jürgen Nelles

Die Aufklärung von Verbrechen und die Aufarbeitung der Vergangenheit stehen im Mittelpunkt vieler ebenso erfolgreicher wie spannender Kriminalromane von den Deutschen Frank Goldammer, Volker Kutscher und Ferdinand von Schirach, dem Briten Philip Kerr, dem Polen Marek Krajewski oder der französischen Schriftstellerin Dominique Manotti.

Die dargestellten - authentischen oder fiktiven - Kriminalfälle spielen zwischen 1930 und 1945 vor dem Hintergrund der damaligen politischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse. Der mit historischen Fotos bebilderte Vortrag zeigt, wie ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte in einem populären Genre der Gegenwart ver- und aufgearbeitet wird.

Der Referent Dr. Jürgen Nelles ist Privatdozent für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Bonn und seit vielen Jahren für zahlreiche Bildungsträger, Gedenkstätten und Kulturinstitutionen tätig.

Der Eintritt ist frei.
Ort: Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 19
Zeit: 19 Uhr