24. August bis 4. Oktober 2020
Alltäglicher Antisemitismus: Zwei Sonderausstellungen in der Mahn- und Gedenkstätte

Du Jude! Alltäglicher Antisemitismus in Deutschland

Häufig wird Judenfeindschaft immer noch als rein histori­sches Phänomen betrachtet und vorwiegend mit dem Natio­nalsozialismus verknüpft. Dass Antisemitismus jedoch ein heutiges und alltägliches Problem für Jüdinnen und Juden in Deutschland darstellt, er verschiedene, auch neuere For­men annimmt und in allen Schichten der Gesellschaft anzu­treffen ist, darauf weisen empirische Studien seit Jahren hin.

Daraus ergibt sich der Bedarf einer umfassenden politischen Bildungsarbeit. Mit der Ausstellung, die nicht nur grundsätz­lich über Antisemitismus informiert, sondern vor allem den Bezug zu Alltagswelten von Jugendlichen herstellt, werden aktuelle Formen der Judenfeindschaft zum Thema gemacht. Dies geschieht anhand von zahlreichen Beispielen, unter anderem aus den Bereichen Musik, Sport, Internet und natür­lich Schule. Die Perspektiven und alltäglichen Erfahrungen von Jüdinnen und Juden sowie die Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland werden so konkret sichtbar gemacht.

Die Wanderausstellung, die vom Projekt „Jederzeit wieder! Gemeinsam gegen Antisemitismus“ der Kölnischen Gesell­schaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit konzipiert wurde, besteht aus 21 mobilen Stelltafeln.

Die Düsseldorfer Station ist eine Zusammenarbeit der Mahn-und Gedenkstätte mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf, der Jüdischen Gemeinde und der Beratungsstelle SABRA.

 

 „Ich wäre an Eurer Stelle sehr sehr vorsichtig“. Schreiben an die Jüdische Gemeinde Düsseldorf (1992– 2020)

Die kleine Kabinettausstellung im Hinterhaus stellt 19 aus­gewählte antisemitische Briefe, E-Mails und Postkarten an die Jüdische Gemeinde aus den Jahren 1992 bis 2020 vor.

Krude Verschwörungstheorien, obsessive „Israelkritik“ mit klar erkennbaren antisemitischen Elementen, aber auch Schuldabwehr, Holocaust-Verharmlosung und Geschichts­klitterung ergeben mit unverhohlenen Morddrohungen eine gefährliche Mischung, die jüdische Menschen einschüch­tern soll. Die Briefe kommen nicht nur von den politischen Extremen, sondern entstammen vermutlich überwiegend einer „bürgerlichen Mitte“.

Die (meist anonymen) Schriftstücke werden kommentiert und eingeordnet. Sie belegen, dass jüdische Gemeinden und Einrichtungen auch Jahrzehnte nach der Shoa mit Schmä­hungen, Bedrohungen und Aggression konfrontiert sind. Sie zeigen plastisch, dass Antisemitismus kein theoretisches oder rein historisches Problem ist, sondern eine aktuelle und akute Bedrohungslage für jüdische Menschen in unserer Stadt.

Die Ausstellung wurde konzipiert von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf mit Unterstützung der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.

 

Führungen für kleine Gruppen (maximal 10 Personen) können (im Rahmen des Corona-Schutzes nur mit Mundschutz) bei Frau Merten unter 0211-899 62 05 gebucht werden.

Einzelbesucher*innen und Kleinstgruppen sind ohne Anmeldung willkommen. Alle Besucher*innen müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen.