Programm für das zweite Halbjahr 2018

Unser Programm für das zweite Halbjahr 2018 mit einer Vielzahl von Angeboten - Ausstellungen, Stadtrundgänge, Führungen, Vorträge u.a. - liegt jetzt vor. 

Über alle Termine informiert eine Broschüre, die in unserem Haus ausliegt und hier eingesehen und/oder heruntergeladen werden kann.

Mitglieder des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte erhalten das Programmheft mit der Post.

Erinnerung an die Pogromnacht 1938

Luise Oppenheimers Bericht

Familie Oppenheimer 1937.

Die Düsseldorferin Hannah Oppenheimer war gerade drei Jahre alt, als ihr Elternhaus an der Parkstraße 74 in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 überfallen wurde. Ihre Mutter, Luise Oppenheimer, wurde schwer verletzt, die Wohnung und das Chemielabor ihres Vaters, Walter Oppenheimer, völlig zerstört. Walter Oppenheimer selbst wurde geschlagen, verhaftet und ins KZ Dachau deportiert. Noch vom Krankenbett im Marienhospital aus begann Luise Oppenheimer, die Emigration ihrer Familie vorzubereiten. Im Februar 1939 konnten Walter, Luise und Hannah Oppenheimer Deutschland verlassen.

Luise Oppenheimer verfasste einen sehr detaillierten und bewegenden Bericht über ihre Erlebnisse während des Pogroms und das anschließende Ringen um die Ausreise. Sie schrieb diesen Bericht in das Kindertagebuch, dass sie nach der Geburt ihrer Tochter Hannah am 14. Oktober 1935 angelegt hatte.

Dr. Hannah Green-Sutton, geborene Oppenheimer, lebt heute in den USA. Sie und ihre Tochter reisten 2017 auf Einladung des Arbeitskreises aus der Evangelischen und der Katholischen Kirche, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Düsseldorf e. V. und der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf aus Anlass des 79. Jahrestages des Novemberpogroms in die Landeshauptstadt.

Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Friedrich-Rückert- und des Leibniz-Montessori-Gymnasiums erinnerten sie in einem Gedenkgang am 8. November 2017 an ausgewählten Lebensstationen der Familie Oppenheimer in Düsseldorf an die Ereignisse des Novemberpogroms.

In der offiziellen Gedenkveranstaltung im Rathaus der Landeshauptstadt Düsseldorf am  9. November 2017 las die Schauspielerin Irina Scholz die Passage zum 9. November aus dem Kindertagebuch. - © Copyright Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf 2017

Ein neuer Besucherrekord

Im vergangenen Jahr konnte die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf einen neuen Besucherrekord verzeichnen. Lagen die Zahlen 2016 noch knapp unter 30.000, so wurden 2017 bei unseren Veranstaltungen, Führungen, Workshops und Bildungsangeboten insgesamt 33.485 Besucherinnen und Besucher gezählt. Dies ist ein Allzeit-Rekord, der uns uns mit Stolz erfüllt und gleichzeitig auch Ansporn ist, unseren Ansprüchen - und den Wünschen des Publikums - auch weiterhin gerecht zu werden.

Erinnerungszeichen für KZ-Außenlager in Düsseldorf

Erfolgreicher Abschluss eines großen Projekts

Ein Erinnerungszeichen steht auf der Schlüterstraße in Grafental.

In Düsseldorf gab es zwischen 1942 und 1945 fünf KZ-Außenlager, die über das Stadtgebiet verteilt waren. Diese historische Tatsache ist nur wenigen Bürgerinnen und Bürgern oder Gästen dieser Stadt bekannt. Sie wissen auch nicht, wie es den KZ-Häftlingen dort oder außerhalb der Lager bei der Arbeit erging, wer ihre Bewacher und Peiniger waren. Für die SS, die die Konzentrationslager betrieb, waren die Häftlinge ein wirtschaftlicher Faktor. Als „Sklavenarbeiter“ wurden sie an Unternehmen und Kommunen „vermietet“, die sie in der Rüstungsindustrie oder bei der Trümmerbeseitigung einsetzten.

Die Düsseldorfer Bezirksvertretungen 1, 2, 3 und 5, auf deren Gebiet die KZ-Außenlager während der NS-Zeit bestanden, hatten 2014 die Mahn- und Gedenkstätte beauftragt, diese Geschichte zu erforschen und zu dokumentieren. Nach umfangreichen Recherchen veröffentlichte der Historiker Dr. Peter Henkel die Ergebnisse in der Publikation „Die Düsseldorfer KZ-Außenlager“. Sie erschien 2016 im  Droste-Verlag und ist zum Preis von fünf Euro bei der Mahn- und Gedenkstätte und in jeder Buchhandlung erhältlich (siehe Publikationen).

In einem zweiten Schritt sollten die ehemaligen Standorte der KZ-Außenlager durch einheitlich aussehende Erinnerungszeichen im Stadtbild für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht und durch Informationstafeln der historische Hintergrund erklärt werden. In einem Projekt mit acht Düsseldorfer Schulen, die sich in der Nähe der ehemaligen Lagergelände befinden, arbeiteten engagierte Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte schulübergreifend an dieser Aufgabe.

Sie entwickelten die Texte für die Standorte und den Überblick über die KZ-Außenlager in der Stadt, das Aussehen und die Form der Erinnerungszeichen und überlegten sich geeignete Aufstellungsorte. Überdies erstellten sie eine Website zum Thema und planten eine zentrale Einweihungsfeier, die am 1. September 2017 im Düsseldorfer Rathaus stattfand. Von Oktober 2016 bis August 2017 haben insgesamt rund 100 Schülerinnen und Schüler an diesem Projekt gearbeitet.

Beteiligt waren das Albrecht-Dürer-Berufskolleg, die Dumont-Lindemann-Hauptschule, das Franz-Jürgens-Berufskolleg, das Geschwister-Scholl-Gymnasium, das Goethe-Gymnasium, das Heinrich-Hertz-Berufskolleg, das Leibniz-Montessori-Gymnasium und das St. Suitbertus-Gymnasium. Koordiniert und wissenschaftlich unterstützt wurde das Projekt von Astrid Wolters und Peter Henkel von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. Unterstützung kam zudem vom Stadtarchiv Düsseldorf.

Gefördert wurde das Projekt durch die Bezirksvertretungen 1, 2, 3 und 5, die Grafental GmbH, die Rheinmetall AG, die RUD Ketten Rieger & Dietz GmbH, die Druckerei Berking KG sowie durch die Gestalterin Melanie Eigenrauch.

In einem Faltblatt, das u.a. bei den beteiligten Bezirksvertretungen und bei der Mahn- und Gedenkstätte erhältlich ist und hier eingesehen und/oder heruntergeladen werden kann, und auf der eigens erstellten Webseite www.kz-aussenlager-duesseldorf.de liegen die von den Schülern erarbeiteten Informationen zum Lagersystem in Düsseldorf und den Standorten sowie zur Geschichte jedes Außenlagers nunmehr vor. Eine Karte verortet die ehemaligen Lager im Stadtgebiet.

Henny Dreifuss ist verstorben

Henny Dreifuss, 1924-2017 (Foto: Veronika Peddinghaus)

Im Alter von 93 Jahren ist Henriette, genannt Henny, Dreifuss verstorben. Als Förderkreis-Mitglied und aktive Zeitzeugin war sie der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf seit deren Gründung in besonderer Weise verbunden. In zahlreichen Begegnungen mit Jugendlichen und Kindern berichtete sie in eindrücklicher Weise von ihren Erfahrungen als antifaschistische Widerstandskämpferin. Als junge Frau hatte sie sich der Résistance gegen die deutsche Besatzung in Frankreich angeschlossen.

Aufgewachsen in einem sozialdemokratischen Elternhaus in Mannheim, erlebte sie als Neunjährige den Machtantritt der Nationalsozialisten. Ihre Eltern flüchteten nach Frankreich, wurden nach der Besetzung des Landes verhaftet und später in Auschwitz ermordet. Henny hingegen konnte untertauchen. Unter dem Decknamen Marguerite Barbe und mit falschen Papieren erlangte sie eine Stelle bei den deutschen Besatzern und konnte so wertvolle Informationen für die Résistance sammeln. 1945 kehrte sie in ihre Heimatstadt Mannheim zurück, später wohnte sie in Düsseldorf.

Mit ihrer politischen Geradlinigkeit, ihrem Mut und ihrer Tatkraft hat Henny Dreifuss nicht nur uns beeindruckt. Um ihre Person hat sie nie viel Aufhebens gemacht, sie war humorvoll, direkt und herzlich. Aus tiefer Überzeugung hat sie sich zeitlebens gegen das Erstarken neofaschistischer und rechtsextremer Kräfte engagiert.

Wir werden Henny Dreifuss vermissen.

Macht und Pracht. Die Düsseldorfer Königsallee im Nationalsozialismus

Band 8 der Kleinen Schriftenreihe ist erschienen

Band 8 der Kleinen Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf ist erschienen. Die Autorin Hildegard Jakobs schildert die Geschichte von Düsseldorfs Pracht-Boulevard während der NS-Zeit.

Das Buch mit 100 Seiten und zahlreichen Abbildungen ist ab sofort bei uns und im Buchhandel zum Preis von 7 Euro erhältlich.

Genauere Informationen siehe Publikationen.

Neu: HistoriaApp by HHU

Historische Spurensuche mit dem Smartphone

Die HistoriaApp by HHU ist ein mobiler, digitaler Stadtplan und ein Geschichtsbuch für das Android-Betriebssystem. Sie wurde von Studierenden und Lehrenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entwickelt. Damit kann jeder mit seinem Smartphone oder Tablet-PC verschiedene Orte in Düsseldorf und deren Geschichte, zum Beispiel während des Nationalsozialismus, entdecken.

Die kostenlose App für Android (eine Version für iOS ist in der Entwicklung) wurde in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte und dem Stadtarchiv Düsseldorf entwickelt und steht ab sofort zum Download im Google Playstore bereit.

Alle Informationen hier: historia-app.de

Wir trauern um Tom Katz

Wir vermissen einen wundervollen Menschen und Freund

Tom Katz und seine Frau am 14. Mai 2015 im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses.

"Ich probiere noch mal etwas zurückzudenken an Düsseldorf, vielleicht heute Abend im Bett, dass mir noch etwas sehr wichtiges einfällt. - 'Ich träum´ als Kind mich zurücke, / Und schüttle mein greises Haupt; /Wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder, /Die lang' ich vergessen geglaubt.'“
Tom Katz nach dem Interview mit Anne Ley, Meik Breer und Hildegard Jakobs in seinem Haus in Bentveld am 3. Juli 2012

Es verwundert nicht, dass Tom Katz am Ende des Interviews mit uns einen Vers des deutsch-französischen Dichters Adelbert von Chamisso zitiert. Der Dichter, der als „früher Bürger Europas“ beschrieben wird, der „die Gegensätze zweier Nationen erfahren und in seinem Leben zu vereinen“ gesucht habe. Auch Tom Katz hat in seinem Leben und vor allem in seiner Kindheit unterschiedliche Kulturkreise kennen gelernt, die ihn geprägt haben. Tom Katz ist am 2. Juli 2016 im Alter von 86 Jahren in Bentveld/Niederlande verstorben.

Tom Katz (links) feiert mit Freunden Karneval, circa 1936.

Geboren wurde Hans Thomas „Tom“ Katz am 15. Dezember 1929 in Düsseldorf als einziges Kind des Ehepaars Moritz und Regine Katz, geborene Heinemann. Sein Vater war Lehrer. Seine Eltern hatten sich erst spät kennengelernt, Regine Heinemann, die aus Amsterdam stammte, war schon 35 Jahre alt, als Tom zur Welt kam. Sein Zuhause war die Grunerstraße 19 im Düsseldorfer Zooviertel. Hier verbrachte er eine glückliche Kindheit. Er spielte mit Nachbarskindern und Freundinnen und Freunden im Zoo, feierte Karneval auf der Straße. Das Judentum spielte für seine Familie eine untergeordnete Rolle, doch die Auswirkungen der Machtübernahme der Nationalsozialisten betrafen die Familie unmittelbar: Sein Vater wurde 1933 aus dem Schuldienst entlassen und Tom konnte nur in die 1935 gegründete jüdische Volksschule eingeschult werden.

Im März 1938 beschlossen seine Eltern, Deutschland zu verlassen und nach Den Haag zu ziehen, wo Toms Großmutter wohnte. Nach der Besetzung der Niederlande zogen sie nach Driebergen. Im Spätsommer 1942 tauchte die Familie in Nijkerk bei einer Bauernfamilie unter. Das Dorf gehörte zum „Bibelgürtel“, die Bewohner waren in der Regel strenge Calvinisten. Immer wieder musste Familie Katz das Versteck wechseln. Tom Katz erinnerte sich an 18 Untertauchadressen. Viel Zeit verbrachte der kleine Tom mit Lesen.

Im Jahre 1944 erkrankte er an Polio. Durch die Hilfe holländischer Bürger konnte er von Spezialisten behandelt werden. Im April 1945 erlebte Tom zusammen mit seinen Eltern die Befreiung.

„…meine Erinnerung ist nicht, dass ich unglücklich war, ich sag auch immer, ich bin den Krieg durchgeflattert wie ein Schmetterling.“
Tom Katz am 3. Juli 2012

Im Jahre 1959 heiratete er seine Frau Matty und hatte mit ihr drei Kinder. Bis zu seinem 70igsten Lebensjahr arbeitete er als juristischer Berater.

TomKatz beim Interview 2012.

Über die Düsseldorfer Holocaustüberlebende Ellen Eliel-Wallach kam die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf in Kontakt mit Tom Katz. Angela Genger, die damalige Leiterin der Gedenkstätte, interviewte ihn erstmalig 2006. Schon damals war sie beindruckt von seiner Persönlichkeit und auch von der außergewöhnlichen (Über)Lebensgeschichte. In der Folgezeit standen wir im engen Kontakt mit ihm. Er kam mehrfach nach Düsseldorf, um uns für Veranstaltungen und Zeitzeugengespräche zur Verfügung zu stehen. Für die Darstellung seiner Biografie in der neuen Dauerausstellung der Gedenkstätte besuchten wir ihn in seinem Haus in den Dünen von Bentveld und zeichneten ein beeindruckendes Videointerview auf.

Anlässlich der Wiedereröffnung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hat Tom Katz am 14. Mai 2015 im Düsseldorfer Rathaus eine höchst bemerkenswerte Ansprache gehalten, die mit stehendem Applaus bedacht wurde. Den Wortlaut dieser Rede finden Sie hier.

Wir alle, seine Familie und seine Freunde, haben Tom Katz als wunderbaren und humorvollen Menschen kennen gelernt, den wir sehr vermissen und nicht vergessen werden.

„... aber die calvinistische Welt, die war mir völlig unbekannt. Und meine Eltern, ja die kannten diese Welt vielleicht aus Büchern, aber es war eine ganz, ganz andere Welt und sie hat mich auch beeinflusst. Also, wenn ich ein Etikett von mir geben soll, wie ich mich nenne: ein durch den Calvinismus beeinflusster jüdischer Atheist.“
Tom Katz am 3. Juli 2012

"Antisemitismus - Nein danke!"

Ein neuer Museumskoffer steht zur Verfügung

Der Museumskoffer und seine vielfältigen Inhalte.

Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hat einen neuen Museumskoffer mit Arbeitsmaterialien zum Thema „Antisemitismus – Nein danke!“ entwickelt.

Das pädagogische Konzept fördert die Auseinandersetzung von Jugendlichen ab 14 Jahren mit den historischen und vor allem den aktuellen Formen des Antisemitismus. Zusätzlich wird Lehrkräften in der schulischen und außerschulischen Bildung Material an die Hand gegeben, das aufklärend zur Vorbeugung von Antisemitismus eingesetzt werden kann.

Der Koffer kann gegen eine geringe Gebühr für Projekttage, Projektwochen, die Vorbereitung und Durchführung einer Unterrichtseinheit im fächerübergreifenden Unterricht oder für die Arbeit in Jugendgruppen für maximal vier Wochen ausgeliehen werden.

Nähere Informationen siehe Museumskoffer.

Ansprache des Zeitzeugen Tom Katz

Tom Katz im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses.

Anlässlich der Wiedereröffnung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hielt der 85-jährige Zeitzeuge Tom Katz am 14. Mai 2015 beim Festakt im Rathaus eine höchst bemerkenswerte Ansprache, die mit stehendem Applaus bedacht wurde.

Diese Ansprache veröffentlichen wir hier im Wortlaut.