Mit dem Mut des Glaubens gegen Hitler

Wolfgang Kannengießer feierte seinen 90. Geburtstag in der Gedenkstätte

Wolfgang Kannengießer zusammen mit Bastian Fleermann neben der Stele mit seiner Geschichte.

Wolfgang Kannengießer aus Düsseldorf-Pempelfort war ein mutiger Junge, gerade einmal fünf Jahre alt, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Gefestigt im katholischen Glauben, wagte er den Widerstand gegen die menschenverachtende Ideologie. Mal zerstörte der Messdiener einen Schaukasten der antisemitischen Hetzschrift „Der Stürmer“, legte eine Jesus-Zeichnung hinein. „Das war schon ein bisschen waghalsig“, so lacht er heute. Mal riss er ein Plakat der Hitlerjugend ab – und wurde verraten. Zwei Tage lang verhörte ihn die Gestapo.

Seine Geschichte ist Teil unserer ständigen Ausstellung über „Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus“. Jetzt feierte Wolfgang Kannengießer zusammen mit drei Söhnen seinen 90. Geburtstag im Kreise des Teams der Mahn- und Gedenkstätte, bevor er weiter in den „Uerige“ zog. Seinem Glauben ist er treu geblieben, bis 1987 er war als Organist in Ratingen-Lintorf aktiv. Alle Gute, Wolfgang Kannengießer!

Wir starten in einen ereignisreichen Herbst

Besucher in der Ausstellung "Neues Land"

In den nächsten Wochen ist der Veranstaltungskalender der Mahn- und Gedenkstätte wieder prall gefüllt. Vorträge, Lesungen, Führungen und Stadtrundgänge zu verschiedenen Themen gehören unter anderem zu unserem Angebot. Wir würden uns freuen, Sie zu dem einen oder anderen Anlass in unserem Haus begrüßen zu können.

Die jeweils nächsten Termine finden Sie stets hier unter Veranstaltungen. Die vielbeachtete Sonderausstellung "Neues Land. Hans Berben: Fotografien 1946-1951" wurde wegen des großen Interesses übrigens verlängert bis zum 18. Dezember 2016. 

Unser Halbjahresprogramm mit allen Veranstaltungen von Juli bis Dezember 2016 können Sie hier einsehen oder herunterladen. Gerne senden wir es Ihnen auch per Post, wenn Sie uns Ihre Adresse mitteilen. Als Mitglied des Förderkreises erhalten Sie das Programm automatisch.

Wir trauern um Tom Katz

Wir vermissen einen wundervollen Menschen und Freund

Tom Katz und seine Frau am 14. Mai 2015 im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses.

"Ich probiere noch mal etwas zurückzudenken an Düsseldorf, vielleicht heute Abend im Bett, dass mir noch etwas sehr wichtiges einfällt. - 'Ich träum´ als Kind mich zurücke, / Und schüttle mein greises Haupt; /Wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder, /Die lang' ich vergessen geglaubt.'“
Tom Katz nach dem Interview mit Anne Ley, Meik Breer und Hildegard Jakobs in seinem Haus in Bentveld am 3. Juli 2012

Es verwundert nicht, dass Tom Katz am Ende des Interviews mit uns einen Vers des deutsch-französischen Dichters Adelbert von Chamisso zitiert. Der Dichter, der als „früher Bürger Europas“ beschrieben wird, der „die Gegensätze zweier Nationen erfahren und in seinem Leben zu vereinen“ gesucht habe. Auch Tom Katz hat in seinem Leben und vor allem in seiner Kindheit unterschiedliche Kulturkreise kennen gelernt, die ihn geprägt haben. Tom Katz ist am 2. Juli 2016 im Alter von 86 Jahren in Bentveld/Niederlande verstorben.

Tom Katz (links) feiert mit Freunden Karneval, circa 1936.

Geboren wurde Hans Thomas „Tom“ Katz am 15. Dezember 1929 in Düsseldorf als einziges Kind des Ehepaars Moritz und Regine Katz, geborene Heinemann. Sein Vater war Lehrer. Seine Eltern hatten sich erst spät kennengelernt, Regine Heinemann, die aus Amsterdam stammte, war schon 35 Jahre alt, als Tom zur Welt kam. Sein Zuhause war die Grunerstraße 19 im Düsseldorfer Zooviertel. Hier verbrachte er eine glückliche Kindheit. Er spielte mit Nachbarskindern und Freundinnen und Freunden im Zoo, feierte Karneval auf der Straße. Das Judentum spielte für seine Familie eine untergeordnete Rolle, doch die Auswirkungen der Machtübernahme der Nationalsozialisten betrafen die Familie unmittelbar: Sein Vater wurde 1933 aus dem Schuldienst entlassen und Tom konnte nur in die 1935 gegründete jüdische Volksschule eingeschult werden.

Im März 1938 beschlossen seine Eltern, Deutschland zu verlassen und nach Den Haag zu ziehen, wo Toms Großmutter wohnte. Nach der Besetzung der Niederlande zogen sie nach Driebergen. Im Spätsommer 1942 tauchte die Familie in Nijkerk bei einer Bauernfamilie unter. Das Dorf gehörte zum „Bibelgürtel“, die Bewohner waren in der Regel strenge Calvinisten. Immer wieder musste Familie Katz das Versteck wechseln. Tom Katz erinnerte sich an 18 Untertauchadressen. Viel Zeit verbrachte der kleine Tom mit Lesen.

Im Jahre 1944 erkrankte er an Polio. Durch die Hilfe holländischer Bürger konnte er von Spezialisten behandelt werden. Im April 1945 erlebte Tom zusammen mit seinen Eltern die Befreiung.

„…meine Erinnerung ist nicht, dass ich unglücklich war, ich sag auch immer, ich bin den Krieg durchgeflattert wie ein Schmetterling.“
Tom Katz am 3. Juli 2012

Im Jahre 1959 heiratete er seine Frau Matty und hatte mit ihr drei Kinder. Bis zu seinem 70igsten Lebensjahr arbeitete er als juristischer Berater.

TomKatz beim Interview 2012.

Über die Düsseldorfer Holocaustüberlebende Ellen Eliel-Wallach kam die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf in Kontakt mit Tom Katz. Angela Genger, die damalige Leiterin der Gedenkstätte, interviewte ihn erstmalig 2006. Schon damals war sie beindruckt von seiner Persönlichkeit und auch von der außergewöhnlichen (Über)Lebensgeschichte. In der Folgezeit standen wir im engen Kontakt mit ihm. Er kam mehrfach nach Düsseldorf, um uns für Veranstaltungen und Zeitzeugengespräche zur Verfügung zu stehen. Für die Darstellung seiner Biografie in der neuen Dauerausstellung der Gedenkstätte besuchten wir ihn in seinem Haus in den Dünen von Bentveld und zeichneten ein beeindruckendes Videointerview auf.

Anlässlich der Wiedereröffnung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hat Tom Katz am 14. Mai 2015 im Düsseldorfer Rathaus eine höchst bemerkenswerte Ansprache gehalten, die mit stehendem Applaus bedacht wurde. Den Wortlaut dieser Rede finden Sie hier.

Wir alle, seine Familie und seine Freunde, haben Tom Katz als wunderbaren und humorvollen Menschen kennen gelernt, den wir sehr vermissen und nicht vergessen werden.

„... aber die calvinistische Welt, die war mir völlig unbekannt. Und meine Eltern, ja die kannten diese Welt vielleicht aus Büchern, aber es war eine ganz, ganz andere Welt und sie hat mich auch beeinflusst. Also, wenn ich ein Etikett von mir geben soll, wie ich mich nenne: ein durch den Calvinismus beeinflusster jüdischer Atheist.“
Tom Katz am 3. Juli 2012

"Antisemitismus - Nein danke!"

Ein neuer Museumskoffer steht zur Verfügung

Der Museumskoffer und seine vielfältigen Inhalte.

Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hat einen neuen Museumskoffer mit Arbeitsmaterialien zum Thema „Antisemitismus – Nein danke!“ entwickelt.

Das pädagogische Konzept fördert die Auseinandersetzung von Jugendlichen ab 14 Jahren mit den historischen und vor allem den aktuellen Formen des Antisemitismus. Zusätzlich wird Lehrkräften in der schulischen und außerschulischen Bildung Material an die Hand gegeben, das aufklärend zur Vorbeugung von Antisemitismus eingesetzt werden kann.

Der Koffer kann gegen eine geringe Gebühr für Projekttage, Projektwochen, die Vorbereitung und Durchführung einer Unterrichtseinheit im fächerübergreifenden Unterricht oder für die Arbeit in Jugendgruppen für maximal vier Wochen ausgeliehen werden.

Nähere Informationen siehe Museumskoffer.

Die Ausstellung "NEUES LAND" ist eröffnet

Oberbürgermeister Thomas Geisel hat die große Ausstellung "Neues Land. Hans Berben: Fotografien 1946 - 1951" eröffnet.

Zahlreiche Besucher waren zur Eröffnung der Ausstellung gekommen, die bis zum 30. Oktober 2016 in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf gezeigt wird. Nähere Informationen siehe Veranstaltungen.

Zur Ausstellung erscheinen ein Bildband und ein Kalender. Beide Veröffentlichungen sind bei uns und im Buchhandel erhältlich. Siehe Publikationen.

Den Flyer mit allen Informationen und den Terminen der Begleitveranstaltungen können Sie hier einsehen oder herunterladen.

Die Düsseldorfer KZ-Außenlager

Band 6 der Kleinen Schriftenreihe ist erschienen

Band 6 der Kleinen Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf beschreibt den Einsatz von KZ-Häftlingen in Düsseldorf zwischen 1942 und 1945.

Konzentrationslager und Häftlinge in gestreiften Sträflingskleidern sind ein Synonym der NS-Terrorherrschaft. Auch wenn nach 1945 gerne der Satz „Wir haben davon ja nichts gewusst“ bemüht wurde, so war spätestens ab 1942 das System der Konzentrationslager Alltag auch in den deutschen Großstädten. KZ-Häftlinge wurden gezielt eingesetzt, um Trümmer zu beseitigen, Blindgänger zu bergen oder in der Rüstung zu arbeiten.

In KZ-Außenlagern und –Kommandos untergebracht, waren sie in den Städten unübersehbar. Mehrere tausend KZ-Häftlinge wurden auch in Düsseldorf eingesetzt, etliche mussten dafür mit dem Leben bezahlen. In welchem Kontext stand der Einsatz von KZ-Häftlingen in Düsseldorf, wo waren die Lager und wie sahen der Einsatz und die Lebensbedingungen dieser Menschen aus? Wer waren die Täter? Gab es eine juristische Aufarbeitung? Diesen Fragen geht der vorliegende Band nach.

Das Buch ist ab sofort bei uns und im Buchhandel zum Preis von 5 Euro erhältlich. Siehe Publikationen.

Die NRW-Stiftung unterstützt die Mahn- und Gedenkstätte

Solveig Kukelies (mitte) mit Bastian Fleermann und Hildegard Jakobs.

Mit einer Fördersumme in Höhe von 9.500 Euro beteiligt sich die NRW-Stiftung an der Sonderausstellung "Neues Land. Hans Berben: Fotografien 1946 bis 1949", die gegenwärtig von uns konzipiert und ab dem 23. Mai in der Mahn- und Gedenkstätte zu sehen sein wird.

Die Fotografien des freien Journalisten Hans Berben zeigen den ungeschminkten Alltag dieser Zeit und werden anlässlich des 70. Jahrestags der Gründung des Landes NRW erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Regionalbotschafterin der NRW-Stiftung, Frau Solveig Kukelies, übergab der Leitung der Gedenkstätte jetzt die offizielle Förderungszusage.

Die Kleine Schriftenreihe ist sehr erfolgreich

Band2: "Herrschaft der Gewalt" ist wieder lieferbar

Wieder lieferbar: "Herrschaft der Gewalt".

Die Kleine Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf erweist sich als Verkaufsschlager bei uns und im Buchhandel.

Auf jeweils 60 bis 90 Seiten werden Themen der lokalen NS-Geschichte anhand des letzten Forschungsstands kompetent und allgemeinverständlich dargestellt. Auch die ansprechende Gestaltung mit zahlreichen Fotos und Faksimiles sowie ein Preis von lediglich fünf Euro machen die Büchlein so attraktiv.

Band 1 über "Die Gestapo Düsseldorf 1933-1945" liegt bereits in der zweiten Auflage vor. Jetzt ist auch der 2013 erstmals veröffentlichte Band 2 über die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 in Düsseldorf in zweiter Auflage wieder lieferbar! Siehe Publikationen.

Angela Genger erhielt den Verdienstorden des Landes NRW

Die frühere Leiterin der Gedenkstätte wurde ausgezeichnet

Angela Genger erhielt die Auszeichnung aus der Hand von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Foto: Land NRW / R. Sondermann

Über 20 Jahre lang hat Angela Genger die Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt Düsseldorf geleitet. Nun wurde sie im Rahmen einer Feierstunde in der Villa Horion in Düsseldorf zusammen mit zehn weiteren Bürgerinnen und Bürgern mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft würdigte ihre Leistung mit den Worten: „Angela Genger bringt uns Erinnerung nah, an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus Düsseldorf deportiert wurden. Und damit eröffnet sie uns die Möglichkeit, diesen Menschen in der Erinnerung zu begegnen.“

Die Laudatio im Wortlaut finden Sie hier.

Mischa Kuball besichtigte die Gedenkstätte

Prof. Mischa Kuball beim Rundgang durch die Ausstellung.

Der Künstler Mischa Kuball, Professor an der Kunsthochschule für Medien in Köln, besuchte die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und zeigte sich beeindruckt von der Fülle der Informationen und der medialen Aufbereitung in der Dauerausstellung über Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus. 

Mischa Kuball gehört zu den weltweit bekannten Vertretern der Medienkunst und unterstützt die Mahn- und Gedenkstätte auf der Webseite des Förderkreises.

Ansprache des Zeitzeugen Tom Katz

Tom Katz im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses.

Anlässlich der Wiedereröffnung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hielt der 85-jährige Zeitzeuge Tom Katz am 14. Mai 2015 beim Festakt im Rathaus eine höchst bemerkenswerte Ansprache, die mit stehendem Applaus bedacht wurde.

Diese Ansprache veröffentlichen wir hier im Wortlaut.